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Südstadtwinter

 

In der kalten Jahreszeit wärmt es ganz besonders, sich verwöhnen zu lassen und Feines zu genießen. So freuen wir uns sehr, in dieser Ausgabe extra viele Neuentdeckungen vorstellen zu können, die Ihnen den Südstadtwinter versüßen werden. Mit dabei ist Waldemar Graser mit einer kurzen Geschichte vom „Penner mit den Flügeln“. Manche kennen ihn vielleicht schon als Verfasser von Lyrik und Prosa, die er seit seiner Jugend schreibt – und nun auch für den Süd‘n.

das Süd'n Magazin, in der Südstadt Nürnberg. Winter in der Südstadt Nürnberg

Aktuell im Süd'n Magazin

Wir arbeiten gerade daran diesen Abschnitt mit allen Inserenten des neuen Süd'n Magazin zu befüllen – das kann noch ein paar Tage dauern.
Hier finden Sie das aktuelle Heft als online-Version zum blättern und stöbern

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Der Penner mit den Flügeln

 

Auf dem Einkaufszettel: Glas Essiggurken, Äpfel, Dose Gulaschsuppe, Pizza. Ich will mein Rad vor dem Supermarkt absperren. Da ruft der Penner, der neben der Tür steht: »Brauchst nicht absperren. Wo ich bin, passiert nix.« Na ja, denk ich, ein Wachmann ist gut, aber mein Zahlenschloss dazu ist noch besser. Er zwinkert mir zu, grüner Anorak, rote Strickmütze mit gelben Bommeln, Biermarke Holsten. Von der Holsten-Palette im Supermarkt pack ich eine Dose für ihn in den Korb, wenn er schon aufpasst. Ich geb sie ihm: »Lass es dir schmecken, Kumpel.« In dem Moment rauscht ein dunkler Mercedes um die Kurve auf den Parkplatz, Reifen schreien, Blech knirscht. Der Wagen knallt in die Längsseite des Ladens. Zwei Mädchen, vier und sechs, gehen in der Gasse zwischen den Autoreihen. Wie beim Billard schießt das Auto von der Wand weg, auf die Kinder zu. »Au Scheiße«, schrei ich, »Oh Himmel«, hör ich den Penner. Ich seh die Bierdose fallen, die er gerade noch in der Hand hatte, aber bevor sie auf den Boden patscht, ist er bei den Kindern, reißt sie mit beiden Armen zwischen zwei geparkte Wagen. Der Amokwagen ändert seine Richtung, fährt geradeaus, schlittert den Fahrradständer entlang, mein Citybike verschwindet ächzend unter der Stoßstange, die Klingel rollt quer über den Parkplatz. Der Polizei erzählt der Autofahrer was von der Schaltautomatik. Der Penner kommt zu mir her: »Nächstes Mal pass ich auf dein Rad auch noch auf.« Auf dem Boden liegen einige Federn und ich könnte schwören, dass ich ein paar Flügel gesehen hab. Aber sowas glaubt mir sowieso keiner.

Waldemanr Graser lebt in Nürnberg und schreibt Lyrik und Prosa